Ist Fleisch essen schlecht für die Gesundheit?

Besonders hoch ist der Konsum tierischer Proteine ​​in Brasilien, den Vereinigten Staaten und Europa. Das ist schlecht für Umwelt und Gesundheit und kann zur Entwicklung gefährlicher Krankheiten führen, warnen Experten. In den Vereinigten Staaten und Australien isst jede Person durchschnittlich 100 Kilogramm Fleisch pro Jahr; in Europa sind es etwa 80 Kilo; und in Deutschland etwa 60 Kilo. In Brasilien lag der durchschnittliche jährliche Fleischkonsum pro Kopf im Jahr 2018 laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bei 77 Kilogramm. Leider sind diese Zahlen zu hoch, wenn man die Umweltschäden und die Grausamkeiten bedenkt, denen Tiere ausgesetzt sind, die gezüchtet werden, um den großen Fleischhunger der Welt zu stillen. Aber neben diesen Faktoren ist auch der Pro-Kopf-Verbrauch an tierischem Eiweiß zu hoch, wenn man die gesundheitlichen Schäden an sich betrachtet. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt maximal 600 Gramm Fleisch pro Person und Woche. Laut einem Ernährungsbericht der DGE nehmen deutsche Männer fast doppelt so viel zu sich. Die in die Studie einbezogenen Metaanalysen zeigten, dass ein hoher Verzehr von rotem und verarbeitetem Fleisch einen sehr ungünstigen Einfluss auf bestimmte Risikokrankheiten hat. Welche Krankheiten kann Fleisch verursachen? Walter Willett, Professor für Epidemiologie und Ernährung an der Harvard TH Chan School of Public Health in Boston, untersucht seit 40 Jahren den Zusammenhang zwischen Ernährung, Krankheit und Gesundheit. Auf die Frage nach den wichtigsten gesundheitlichen Problemen durch Fleischkonsum nennt er Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes Typ 2. Rotes Fleisch, von Rindern, Schweinen, Schafen oder Ziegen, verursache besonders große Schäden, sagt er. „Rotes Fleisch ist reich an gesättigten Fettsäuren, die das LDL-Cholesterin im Blut (das sogenannte „schlechte Cholesterin“) erhöhen und eine klare Ursache für Herzinfarkte sind“, sagt Willet. Gleichzeitig enthält rotes Fleisch fast keine mehrfach ungesättigten Fettsäuren, was die Blutfettwerte und damit das Risiko für Herzerkrankungen senkt. Rotes Fleisch trägt einen Anstieg eines unter Kardiologen bereits bekannten Risikofaktors in sich: Trimethylamin-N-oxid (TMAO). Es verursacht eine pathologische Ansammlung von Cholesterin- und anderen Fettnestern in den Arterien, die als Arteriosklerose bezeichnet wird. Laut einer amerikanischen Studie aus dem Jahr 2019 machen sich die ersten Anzeichen von Arteriosklerose bereits nach kurzer Zeit mit extremem Verzehr von rotem Fleisch bemerkbar. Extrem bedeutet hier zwei Portionen Fleisch am Tag. Die Forscher vermuten auch, dass der Verzehr von rotem Fleisch auch die Nierenfunktion beeinträchtigt. Sie beobachteten, dass die Nieren bei der Ausscheidung von TMAO nach einer Fleischmahlzeit weniger effizient sind. Fleisch erhöht das Risiko für Typ-2-Diabetes Willet selbst nahm an mehreren Studien teil, die den Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und Diabetes mellitus, auch Diabetes Typ 2 genannt, untersuchten: Studien zufolge begünstigt vor allem rotes Fleisch die Entstehung von Diabetes. In anderen Untersuchungen fanden Willet und Kollegen auch einen Zusammenhang zwischen heißem gegrilltem oder gebratenem Fleisch und einem erhöhten Diabetesrisiko. Das Ergebnis wurde nicht nur auf Rinderfilet, sondern auch auf Hähnchenschenkel übertragen. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) leben in Europa rund 60 Millionen Menschen mit Diabetes. In Brasilien gibt es laut einer Umfrage des Gesundheitsministeriums etwa 15 Millionen Erwachsene oder 9,14 % der Bevölkerung über 18 Jahre. Trotzdem sei Diabetes eine Krankheit, die „mit gesunder Ernährung und viel Bewegung weitgehend vermeidbar ist“, berichtet die WHO auf ihrer Website. Fleisch ist natürlich nur eine Variable. „Der Wechsel von Fleisch zu zuckerhaltigen Getränken hat keine gesundheitlichen Vorteile“, warnt Willet. Wenn Sie nur Chips essen und Soda trinken, könnten Sie gleichzeitig Vegetarier und Diabetiker sein. Verursacht Fleisch Krebs? In mehreren Studien wird der Fleischkonsum auch mit dem Risiko in Verbindung gebracht, an bestimmten Krebsarten zu erkranken. Besonders problematisch ist auch verarbeitetes rotes Fleisch, darunter Hot Dogs, Schinken und Salami. Im Jahr 2019 machte jedoch die Veröffentlichung eines Teams von Wissenschaftlern des sogenannten NutriRECS-Konsortiums auf sich aufmerksam, indem es Erwachsenen empfahl, verarbeitetes rotes Fleisch wie bisher zu konsumieren. Die Veröffentlichung wurde von Experten kritisiert, weil die Empfehlungen, wie die Autoren selbst schreiben, auf äußerst schwachen Beweisen beruhten. Tatsächlich kamen drei der fünf Metaanalysen, die die Autoren des Konsortiums als Grundlage für ihre Empfehlung verwendeten, zu dem Schluss, dass verarbeitetes rotes Fleisch zu einer höheren Krebssterblichkeit führt. Eine weitere Meta-Analyse aus dem Jahr 2021 kam zudem zu dem Schluss, dass fleischreiche Ernährung das Risiko beispielsweise für Brust- und Darmkrebs signifikant erhöht. Und beim Grillen oder Grillen von Speisen entstehen auch krebserregende Stoffe. Kann ich auf Fleisch verzichten? Viele glauben, dass Fleisch zu einer gesunden Ernährung gehört. Dies mag in Regionen der Fall sein, in denen der Anbau von Gemüse und Hülsenfrüchten schwierig ist und die Menschen auf die Nährstoffe aus dem Fleisch ihrer Tiere angewiesen sind. „Das Fleisch hat natürlich wertvolle Inhaltsstoffe“, sagt Willet. Huhn ist weniger schädlich als rotes Fleisch und auch Fisch kann zu einer gesunden Ernährung beitragen. Niemand muss komplett auf Fleisch und tierische Produkte verzichten, um gesund zu bleiben. Andererseits können Vegetarier und Veganer auch sehr gesund sein. „Am besten ist eine überwiegend pflanzliche Ernährung“, sagt die Ernährungswissenschaftlerin. Nüsse, Hülsenfrüchte und Sojaprodukte sind gute Proteinquellen. Gemüse enthält außerdem viele Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Übergewicht senken. Auch eine überwiegend pflanzliche Ernährung trägt zum Umwelt- und Tierschutz bei. Walter Willet findet daher, dass bei der Beantwortung der Frage, wie uns Fleisch krank macht, die ökologischen Folgen des Fleischkonsums berücksichtigt werden müssen. „Ohne einen gesunden Planeten gibt es keine gesunden Menschen.“ Autorin: Julia Vergin

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Helene Ebner

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