So teuer wäre es wirtschaftlich, mit China die freie Welt zu brechen

Chinesisches Militär „trainiert“ immer noch. Eigentlich sollten die Militärmanöver rund um Taiwan am Sonntag enden, laut Staatsfernsehen dauern sie aber noch an. Die Volksbefreiungsarmee konzentrierte sich auf „gemeinsame Operationen gegen U-Boote und Angriffe auf See“. Einige chinesische Kommentatoren schlagen sogar vor, dass solche Manöver regelmäßig stattfinden und zur neuen Norm werden könnten. Taiwan könnte ständig mit Kriegsdrohungen konfrontiert sein.

Ein Angriff Chinas auf Taiwan hätte dramatische wirtschaftliche Folgen für die ganze Welt. Die freie Welt könnte mit ähnlichen Sanktionen wie gegen Russland reagieren. Die Folge wäre eine wirtschaftliche Trennung zwischen dem Westen und China, mit drastischen Folgen für Wirtschaft und Aktienmärkte.

China ist der drittgrößte Handelspartner der EU. Die Niederlande importieren am meisten aus China, Deutschland exportiert am meisten in dieses Land. Im Jahr 2021 importierte die EU Waren im Wert von 472 Mrd. EUR aus China und verkaufte Waren im Wert von 223 Mrd. EUR nach China.

Das Ifo-Institut hat im Auftrag des Bayerischen Wirtschaftsverbandes ausgerechnet, was es für die deutsche Wirtschaft bedeuten würde, wenn diese starken Verbindungen plötzlich durchtrennt würden. Das Ergebnis: Die Trennung der EU-Deutschland von China würde Deutschland fast sechsmal mehr kosten als der Brexit.

Größter Verlierer in einem Handelskrieg mit China wäre die Autoindustrie, die rund 8,5 Prozent verlieren würde. seine Wertschöpfung, oder etwa 8,15 Milliarden Euro. Dahinter folgen Transportgerätehersteller, die 5,1 Prozent verlieren würden. Umsatz (1,5 Milliarden Euro), aber der Maschinenbau mit minus 4,3 Prozent. (5,1 Milliarden Euro).

Natürlich würde eine solche Entwicklung nicht nur deutsche Unternehmen treffen. Die ganze Welt werde eher in eine tiefe Rezession stürzen, sagt Joshua Cutin, Anlagestratege bei Columbia Threadneedle.

Kutin entwickelte auch ein Szenario für den Fall, dass der Westen scharfe Sanktionen gegen China verhängt. Eines sei seiner Meinung nach klar: „Die Bedeutung Chinas in der Weltwirtschaft ist viel größer als die Russlands.“ Daher wäre die Wirkung größer.

In diesem Fall würden die Aktienmärkte weltweit drastisch verlieren. Für den amerikanischen Aktienmarkt geht Kutin von einem Minus von etwa 20 Prozent aus, für Europa liegen die möglichen Verluste bei etwa 27 Prozent und für den asiatisch-pazifischen Raum sogar bei 34 Prozent.

„Das ist natürlich nicht als genaue Vorhersage zu verstehen“, sagt Kutin. Es geht eher um Sucht. Insgesamt wird der US-Finanzmarkt weiterhin den leichtesten Start haben, auch weil die US-Wirtschaft stärker von der Binnenkonjunktur getrieben wird. Zudem würden die USA vermutlich viel Geld aus der ganzen Welt fließen sehen, weil sie als sicherer Hafen gelten.

Europa und Asien würden wirtschaftlich viel härter getroffen. Auch in Asien sind chinesische Aktien inzwischen ein wichtiger Bestandteil vieler asiatischer Indizes. Relativ gesehen dürften die dortigen Aktienmärkte also am stärksten betroffen sein.

Allerdings geht das ifo Institut in seiner Analyse noch etwas weiter. Er ging darauf ein, wie die Situation nach den drastischen Sanktionen und der faktischen Trennung der europäischen Wirtschaft von der chinesischen Wirtschaft mittelfristig aussehen könnte.

Dazu wurden fünf Szenarien simuliert. In einem davon wurde die Unabhängigkeit westlicher Länder von China mit einem Handelsabkommen zwischen der EU und den USA kombiniert. Ein solches Abkommen könnte die negativen Auswirkungen der Abspaltung Chinas von der deutschen und amerikanischen Wirtschaft mildern, aber nicht vollständig kompensieren.

Die erwarteten Vorteile einer Ausweitung der Handelsbeziehungen mit den USA würden jedoch die Kosten einer Aufgabe Chinas nicht vollständig ausgleichen. Letztendlich würden die Nettokosten für Europa in etwa den erwarteten Kosten des Brexits entsprechen.

Wenn Deutschland als Exportland sein Geschäftsmodell ändern will, ist die Verstaatlichung von Lieferketten keine Lösung, die der Wirtschaft hilft, folgert Florian Dorn, der an der Studie mitgearbeitet hat. Vielversprechender ist die Bildung strategischer Partnerschaften und Freihandelsabkommen mit gleichgesinnten Ländern wie den Vereinigten Staaten. – Dies sollte das Ziel der deutschen und europäischen Wirtschaftspolitik sein, – sagt er.

Die beste Hoffnung ist jedoch, dass dies nicht geschieht und sich in Peking durchsetzt. Es kann jedoch schwierig sein. Wie schwierig das sein kann, sagte die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Hua Chunying, am Montag auf Twitter. Darin behauptete sie, dass Taiwan zu China gehöre, weil es viele Restaurants gebe, die Speisen aus den chinesischen Provinzen servieren. Andere Twitter-Nutzer stellten daraufhin fest, dass Peking voller McDonald’s-Restaurants sei.

Marlene Köhler

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